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Fachleute warnen vor der Verlegung der Stadtbücherei

Das Bürgerbegehren „Rettet unsere Stadtbücherei“ erhielt jetzt fachlich qualifizierte Unterstützung vom Verband der Beschäftigten in Bibliotheken und Informationseinrichtungen, dem Berufsverband Information Bibliothek e. V.

Die Wittener Presse berichtete von dem Schreiben an die Stadt Witten und alle im Rat vertretenen Fraktionen.

Landesbibliothekare warnen vor Verlegung

Wir dokumentieren hier das Schreiben des Berufsverbandes, damit sich jeder selber ein Bild von den Argumenten Pro und Contra machen kann. Wir sehen bis heute nur das Argument der Stadt, dass Stellen abgebaut und Kosten reduziert werde sollen. Eine durchdachte Konzeption für die Wittener Kulturpolitik bleiben uns die Mitglieder des Wittener Rates und die Verwaltung der Kultur leider bis heute schuldig. Da wäre die durch das Bürgerbegehren angestrebte Bürgerwerkstatt tatsächlich einmal eine interessante Übung in Demokratie auf kommunaler Ebene. War da nicht mal was mit “Mehr Demokratie wagen” in der SPD?

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Berufsverband Information Bibliothek e. V.

Berufsverband Information Bibliothek e. V.

als Berufsverband der Bibliotheksbeschäftigten verfolgen wir mit großer Besorgnis die aktuelle Diskussion über die Schließung der Stadtbücherei Witten am alten Standort Ruhrstraße.

Die Stadtbücherei in Witten ist eine etablierte Bildungs- und Kultureinrichtung in Ihrer Stadt. Sie gehört zusammen mit dem Museum zum Kernbereich jener kommunalen Aufgaben, in denen die Verantwort-lichen vor Ort noch unmittelbar und als ergänzendes Korrektiv zu Land und Bund Einfluss auf die Kultur- und Bildungspolitik nehmen können. Dass beide Einrichtungen als „weiche“ Standortfakten auch die Attraktivität und Lebensqualität einer Stadt maßgeblich prägen, sollte in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben.

Eine Verlegung der Bibliothek ins örtliche Museum würde eine Verringerung des Bibliotheksbestandes auf etwa einen Drittel des jetzigen Bestandes bedeuten, außerdem gäbe es deutlich weniger Aufenthaltflächen. Zudem würde das Museum unter der Verringerung seiner Flächen vor allem für Wechselausstellungen leiden. Beide Einrichtungen wären also massiv in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt, Entwicklungsmöglichkeiten würden verbaut. Für uns ist nicht erkennbar, wie diese Eingriffe durch andere Angebote oder Maßnahmen kompensiert werden sollen oder können.

Dass Bibliotheken auch im Internetzeitalter gebraucht werden, lässt sich sehr leicht empirisch belegen. Bibliotheken in kommunaler Trägerschaft gehören zu den meist genutzten öffentlichen Einrichtungen in Deutschland. Rund 200 Millionen Mal wird in jedem Jahr in Deutschland eine Bibliothek aufgesucht, um vorhandene Bestände auszuleihen, lizenzierte digitale Angebote zu nutzen, Schulungstermine wahrzunehmen, Vorträge oder Lesungen zu besuchen oder sich qualifiziert beraten zu lassen. Diese Zahl ist im Vergleich mit anderen Institutionen durchaus beachtlich: Die deutschen Kinos erreichten etwa drei Viertel dieser Besucherzahlen, alle Museen zusammen gerade die Hälfte, die Theater oder alle Spiele der ersten und zweiten Fußballbundesliga haben jeweils nicht einmal ein Zehntel so viele Interessenten. Das geschäftliche Umfeld Ihrer Stadt profitiert also ganz direkt durch die Kun-denströme zur Bücherei.

Der Erhalt der Stadtbücherei, die Weiterentwicklung ihrer Angebote und Dienstleistungen ist gut ange-legtes Geld: für Schülerinnen und Schüler zum Erwerb von Lese- und Medienkompetenz, für mündige Bürgerinnen und Bürger zur Teilhabe im Beruf sowie am gesellschaftlichen und politischen Leben. Das Grundgesetz fordert in Artikel 5 den freien Zugang für alle Bürgerinnen und Bürger zu Informatio-nen aller Art.

Neben dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk sorgen allein die Kommunen mit ihren Bibliotheken dafür, dass dieses Grundrecht auch verwirklicht wird. Die Büchereien arbeiten zudem mit Schulen, Kindergärten, Vereinen und anderen Bildungseinrichtungen der Stadt zusammen. Dieses Angebot beinhaltet das Bereitstellen einzelner Medien oder thematischer Buchpakete, Führungen, aber auch Veranstaltungen für alle Altersschichten.

Die Stadt Witten ist Teil der Kulturhauptstadt 2010 und somit im Fokus des kulturellen Angebotes des Ruhrgebiets, deshalb sollten die Kultureinrichtungen hier hochgehalten, besser noch ausbaut werden. Dies geschieht sicherlich nicht durch eine „Halbierung“ der Bücherei und des Museums. Eine Reduzierung des Bestandes auf aktuelle Zeitschriften, Belletristik und Angebote aus den Bereichen Kultur und Musik ist einer Großstadt wie Witten schlicht unwürdig. Denn in diesem Fall würde es innenstadtnah keine Möglichkeit mehr geben, sich beruflich fortzubilden, für die Schule zu arbeiten oder sich über Sachthemen (auch aus ökonomisch wichtigen Bereichen wie EDV und Technik, Gesundheitswesen und Pädagogik) zu informieren.

Daher unser Appell: Erhalten Sie die Stadtbücherei am alten und sehr zentralen Standort [...] und bieten Sie Ihren Bürgern weiterhin eine Bücherei, die ihren kulturellen, schulischen und beruflichen (Fortbildungs-)Bedürfnissen entspricht. Denn Ihre Bücherei ist (noch) gut ausgestattet, hat kundenfreundliche Öffnungszeiten und begleitet die Informationssuchenden mit fachlich geschultem Personal.

Mit freundlichen Grüßen

Aki Wantia, BIB-Landesvorsitzende

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