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Stadtbüchereien erhalten. Offener Brief: Demokratie darf nicht zur Farce werden!

Basta! Witten wendet sich in einem offenen Brief noch an die Bürgermeisterin Sonja Leidemann und die Ratsfraktion um ein Einlenken bei den Verkaufsplänen der Stadt zu erreichen. Während bekannt ist, dass die Stadtspitze am 17. September 2010 den Verkauf der Zentrale der Stadtbücherei im Verwaltungsrat des Kulturforums beschließen lassen will, lädt die Bürgermeisterin die Bürgerinitiative Basta! Witten zur Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 20. September 2010 ein, um an der Beratung über die Bürgeranträge zur Rettung der Bücherei und der Villa Lohmann in städtischer Hand zu beraten. Erst verkaufen, dann beraten, – das kann nicht angehen!

Basta! Witten

Die Stadt gehört uns allen!

An die Stadt Witten

Frau Bürgermeisterin Leidemann

die Ratsfraktionen

Marktweg 16

58452 Witten

Witten, den 10.09.2010

OFFENER BRIEF

Demokratie darf nicht zur Farce werden!

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Leidemann!

Sehr geehrte Damen und Herren, Mitglieder des Rates der Stadt Witten!

Die Bürgerinitiative „basta! witten“ erhielt als Reaktion auf unsere am 30. August eingereichten Bürgeranträge zur Rettung der Wittener Bibliotheken und  zur Verhinderung des Verkaufs der Villa Lohmann eine Einladung zur Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses der Stadt Witten, am 20. September 2010 um 16.00 Uhr. Wir danken für diese Einladung.

Wie Ihnen bekannt ist, tagt aber der Verwaltungsrat des Kulturforums Witten bereits am Freitag, den 17. September und soll die Verwaltungsvorlage zum Verkauf der Zentrale der Stadtbücherei beschließen.

Frau Bürgermeisterin, Sie wissen, dass Ihre Pläne zum Verkauf des Büchereigebäudes und der Villa Lohmann sowie anderer städtischer Immobilien von einer breiten Mehrheit in unserer Stadt abgelehnt werden. Der Versuch, am 17. September, den Verkauf der Bücherei beschließen zu lassen, um am 20. September im HFA über diesen schon erfolgten Verkaufsbeschluss beraten zu lassen, wäre ein Affront gegen die gesamte Wittener Bürgerschaft!

Stoppen Sie Ihre Verkaufspläne! Die Wittener Bürgerschaft verlangt ein Ende des Ausverkaufs, die Offenlegung aller Pläne und Absprachen, eine breite demokratische Beteiligung und den Schutz unserer Stadt vor dem finanziellen und kulturellen Ausbluten.

Wir wissen alle, dass die Schuldenkrise nicht nur unserer Stadt, wesentlich durch die Politik von Bund und Land gegenüber den Städten verursacht ist. Auch durch noch so großes Sparen und den Verkauf aller städtischen Immobilien können Sie die strukturellen Finanzprobleme nicht ausgleichen. Wir brauchen nicht weniger städtische Leistungen im Bereich der Verwaltung, der Kultur, der Bildung und im Sozialen, sondern bessere Leistungen. Für unsere Bibliotheken heißt dies, dass das ausgeschiedene und noch ausscheidende Personal durch junge und qualifizierte MitarbeiterInnen ersetzt werden muss. Eine attraktive Öffentliche Bibliothek muss auch neue Medien einkaufen können, dies wird durch Deckeln des Anschaffungsetats in Witten seit Jahren immer mehr verhindert. Tatsächlich zahlen die Wittener Bürgerinnen und Bürger aber mehr Benutzergebühren, als Geld für neue Bücher und Medien ausgegeben wird!

Für die Wittener Bibliotheken sind erhebliche Leistungssteigerungen (Anzahl der Ausleihen) möglich und anzustreben. Eine moderne hochkomplexe Industriegesellschaft braucht die Qualifikation des Lesens. Gerade die Informationsflut, wie sie durch das Internet möglich geworden ist, braucht die Fähigkeit Zusammenhänge zu erkennen, zu sichten und zu werten, was nur durch ein qualifizierte Lesefähigkeit erreicht werden kann. Das Internet läutet nicht das Ende des Lesezeitalters und des Buches ein, sondern erfordert eine neue Qualität des Lesens und der Bibliotheksarbeit. Wir müssen unsere Kultur pflegen und entwickeln und dürfen bei der freien Informationsversorgung und dem Zugang zu Bildung und Kultur nicht sparen. Hierfür brauchen wir die ständige Fortbildung der BibliotheksmitarbeiterInnen und regelmäßiger Neueinstellungen junger Kräfte, die mit der veränderten Lebensweise der Gesellschaft mithalten, den Zugang zu den jungen Menschen finden und die älteren auf ihrer Suche nach Information optimal unterstützen können. Wir brauchen qualifizierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und keine Selbstverbuchungsterminals!

Frau Bürgermeisterin Leidemann, als demokratisch gewählter Repräsentantin unseres städtischen Gemeinwesens obliegt es Ihnen, sich für das Wohl der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt einzusetzen und die demokratische Kultur zu pflegen. Auch wenn Sie meinen könnten, die Termine und die Tagesordnungen des Kulturforums und des Haupt- und Finanzausschusses seien formal korrekt und nicht angreifbar, ein derartiges Vorgehen würde von sehr vielen Wittener Bürgerinnen und Bürgern als Angriff auf ihre demokratischen Rechte verstanden!

Es kann keine Schande für Sie sein, dem Bürgerwillen ein Ohr zu schenken und die guten Argumente aus der Bürgerschaft ernst zu nehmen. Es wäre aber eine Schande für unsere Stadt, wenn die Zentrale der Stadtbücherei verkauft würde, der Bestand bereinigt und verkleinert würde und die letzten Zweigstellen in absehbarer Zeit auch noch geschlossen würden. Stoppen Sie diese Pläne! Die Stadtbüchereien müssen allen Bürgerinnen und Bürgern dienen. Eine einseitige Schwerpunktsetzung kann hier keine flächendeckende Bibliotheksversorgung der Bevölkerung ersetzen. Es geht auch darum, ein für Witten charakteristisches und denkmalgeschütztes Gebäude für die Nutzung durch die Wittener Bürger zu erhalten. Die diskutierten Renovierungskosten in der Höhe von 500.000 Euro sind für eine erste grundlegende Renovierung nach mehr als einem halben Jahrhundert, kein abschreckend hoher Betrag. Die Bausubstanz der Ruhrstraße 48 ist stabil und erhaltenswert. Erhalten Sie auch das Märkische Museum als einen arbeitsfähigen Kulturbetrieb, der als eine Perle im Vermögen unserer Stadt gepflegt und herausgeputzt, gut genutzt gehört und nicht durch die Zusammenlegung mit einer auch noch so kleinen Restbibliothekszentrale paralysiert werden darf. An der Kultur dürfen wir nicht weiter sparen, sie bildet das Fundament unseres Zusammenlebens in Demokratie und Freiheit.

Mit freundlichen Grüßen

Für die Bürgerinitiative Basta! Witten:

  • Beate Albrecht
  • Karsten Albrecht
  • Maria Brauckhoff
  • Rainer Gehrke
  • Martin Halberstadt
  • Marc Junge
  • Peter Liedtke
  • Knut Unger
  • Andree Sommer Wallmeier
  • Reinhold Spratte

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