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`Alles muss raus´ Text, Bilder, Presse zum Politspektakel am 27.8.2010

Foto von Birgit Neugebauer

`Alles muss raus´ war das erste Wittener Politspektakel, das sich gegen den Ausverkauf der Stadt Witten wendete. Neben den zahlreichen Akteuren fanden sich am 27.8.2010 um 17 Uhr ca. 100 Bürgerinnen und Bürger der Stadt Witten ein, um den Aktion beizuwohnen und gemeinsam mit den BASTAS aus Witten und Wuppertal die Villa Lohmann zu stürmen, um sie so vorm Verkauf zu schützen.

`Alles muss raus´

Erste Wittener Privatisierungsmesse

Aktions-Theater/ Polit-Theater/ Protest-Spektakel Zeit: 27.08.2010,  17 Uhr

Bühne: Treppe Villa Lohmann/Ruhrstraße Witten

Personen

Moderatorin              Sunny Super
Großinvestor             Gunter Handschuh
Sparkommissar        Sebastian Sparlöffel
Musiker                      Tom Trompet
Mieterin                      Elsa Klingeling
Revoltierendes Volk
Cheerleader, Claqueure
Stadtvermakler          Dr. Dr. Bräsig
Stadtbeamter              Sagnix
Security-Group
Basta-Man  (Witten)

Mitwirkende u.a.:

Beate Albrecht, Martin Halberstadt, Philipp Reussmann, Katharina Schwabedissen,  Tobias, Gina, Anna, Susanne, Marc Junge, die Wuppertaler, Julian Brauckhoff,  Reiner Gerke., u. a.

Bühnenbild, Plakate: Gina und Andree Sommer-Wallmeier

Der Text:

Sunny:           Einen schönen guten Abend, mein Name ist Sunny Super. Ich muss Ihnen sagen, wie aufgeregt ich bin, heute hier vor Ihnen zu stehen. Wir, das sind eine kleine

Gunther Handschuh im Gespräch mit seiner Security

Gruppe arbeitsloser Banker und Manager, haben zwei schwere Jahre hinter uns. Sie wissen schon Wirtschaftskrise: und so. Aber wir sind Stehaufmännchen; mit der Bärchenmannstiftung und der Existenzgründungsagentur Entenhausen haben wir neuen Mut geschöpft und heute diese Privatisierungsmesse auf die Beine gestellt. Ich darf Sie im Namen der SUPER RETURN ALLIANCE recht herzlich zur ersten Privatisierungsmesse Wittens begrüßen.Vielen Dank an den Stadtvermakler Wittens, Dr. Dr. Bräsig, und den Kulturanstaltsleiter, der heute leider verhindert ist. Der ist nämlich 300 Meter weiter mit meinen anderen Kollegen im Museum, da verkaufen sie gerade die alten Schinken, denn `Alles muss raus´, nicht wahr Herr Dr. Dr. Bräsig?!
Bräsig:             Genau, alles muss raus. Für diejenigen, die mich nicht kennen: Ich bin schon 3-5 Jahre in Witten tätig und nun endlich der  Stadtvermakler. Schluss mit der akademischen  und romantischen, wittenverliebten Zögerlichkeit.Mein Motto ist: „Öffentlicher Besitz ist kein Selbstzweck“ oder besser: „Tafelsilber, immer geputzt, selten genutzt“.

Cheers:            Immer geputzt, selten genutzt. Immer geputzt, selten genutzt …

Bräsig:             Ein toller Ruhrboulevard ist angesagt.

Sunny:                        Herr Dr. Bräsig was haben Sie denn im Angebot
Dr. Bräsig stellt das Immobilienangebot der Stadt Witten vor, er ist mit einer Fliegenklatsche bewaffnet und droht damit Sagnix (nicht schlagen!).  Sagnix kommt immer nach Bräsig dran und kommentiert seine Sachen erst kritisch, und erst nach dem Drohen wird er zum “ja”-Sager. Die Drohung ist erst massiv, dann hebt Bräsig nur noch theatralisch die Klatsche, bevor Sagnix was sagen will, dieser wird immer kleinlauter und angepaßter, bis er nur noch das in Stichworten wiederholt, was Bräsig angepriesen hat (bei erhobener Fliegenklatsche, die schließlich zum Dirigentenstock umfunktioniert wird).


Bräsig:           Mit dem Schwimmbad hat’s angefangen. Wofür mitten in Witten ein Sport- und Schülerbad, wenn man auch ein Spaßbad und Alibibäder an der Peripherie haben kann?!

Cheers:           Spassbad, Spassbad……

Großzügig bietet nun Dr. Bräsig dem Vertreter der Verwaltung die Gelegenheit zur Stellungnahme, die dieser auch dankbar annimmt.
Sagnix:           Mein lieber Herr Dr. Bräsig, die Sache mit dem Schwimmbad war aus unserer Sicht durchaus kritisch. Sie wissen ja, dass es unserer Stadtspitze sehr an einer

Der störende Basta-Man wird abtransportiert

Harmonie mit der Bevölkerung gelegen ist. Und da störten die Irritationen damals doch schon gewaltig. Aber inzwischen sind unsere Genossen sehr froh über unseren neuen Altenbunker. Er gibt ihnen eine sichere Perspektive für die Zukunft.
Bräsig:            Aber das mit dem Schwimmbad war nur Vorgeplänkel. Jetzt habe ich den Kornmarkt, die Seele Wittens,  in Angriff genommen.

Cheers:            Kornmarkt, Kornmarkt, Kornmark

Bräsig:            In der historischen Wiege Wittens soll ein riesiges, grellweißes Büro- und Geschäfts-Ufo landen, das mit einer  Seite in die Johannesbeerkirche stößt.

Cheers:            Ufo, Ufo, Ufo

Sagnix:           Mein lieber Herr Dr. Bräsig, wie sie wissen, haben unsere Verfahren zur Bürgerbeteiligung und ein Workshop zur Nutzung des Kornmarktes vor einigen Jahren eine ganze Reihe von interessanten Ideen und Vorschlägen gebracht ….Sagnix wird von Bräsig bedroht und reagiert sofort mit Unterwürfigkeit und Schweigen


Bräsig:             Nun zur Bibliothek: Hier heißt es: schließen, auslagern, zusammenschrumpfen, und dann wird das so gewonnene Gebäude in bester Lage entkernt. Wir bauen  eine Halfpipe Skater-Bahn. Viel Spaß, viel Fun. Lesen ist nur unnötiges TamTam.

Cheers:            Half Pipe, Half Pipe, Half Pipe

Sagnix:            Mein lieber Herr Dr. Bräsig, ….

Sagnix wird von Bräsig bedroht und verliert sich stammelnd in erwartungsvoller Unterwürfigkeit

Bräsig:            Die Villa Lohmann im Stadtpark: Die Erfolgsbilanz lautet: Teile des Stadtparks sind bereits privatisiert, nun wird die Villa Lohmann mit weiteren Teilen des Stadtparks hinterher geworfen. Alles muss weg, alles muss raus. Den alten Kasten zu halten würde Unsummen verschlingen. Schließlich ist die Klospülung defekt.
Cheers:            Alles muss raus. Alles muss raus…..

Sagnix wiederholt nur noch in Stichworten was Bräsig sagt. Bräsig hält die Fliegenklatsche hoch und dirigiert während er spricht.

Bräsig applaudiert Handschuh

Bräsig:            Rüdinghausen ist mein Lieblingsthema Hier wurde die „Anti-Laus im Pelz Strategie“ angewendet.Dem Karnickelverein und  Heimatverein haben wir in unseren städtischen Gebäuden  die Jahresmiete zur Monatmiete gemacht und die Bürgervereine so samt Archiv herausgeekelt.

Cheers:           Karnickel weg, Karnickel weg, Karnickel weg

Bräsig:            Außerdem wurde eine laute Pseudo- Bürgerbeteiligung  über die Neugestaltung Rüdinghausens veranstaltet. Bei  Erdbeerfeld und Günnemann-Kotten haben wir, als es dann tatsächlich um die Wurst ging, knallharte Privatinvestoren und Architekten begünstigt, die ihre persönlichen Interessen verfolgen, aber ansonsten keine Spaßverderber sind und zuverlässig jede demokratischen Bürgerbeteiligungsmätzchen torpedieren. Im Zentrum von Witten Ruhrboulevard-Spaß, aber an der Peripherie tödliche – äh meine -  herrliche private Ruhe und Ordnung im Eigenheimglück.

Cheers:            Eigenheimglück, Eigenheimglück, Eigenheimglück

Sagnix:            Wiederholt nur noch Stichworte von Bräsig.

Sunny:            Hallo, da kommt ja unser nächster Gast Silberlöffel kommt mit seiner Mofa vorgefahren. Er wird von Sunny stets nicht als Silberlöffel, sondern als Sparlöffel bezeichnet. Silberlöffel besteht auf Silberlöffel. Bringt großen Holzlöffel mit.
Der stellt sich heut mal selber vor.

Silberlöffel:           Sparkommissar Silberlöffel stellt sich vor. Hallo Silberlöffel , mein Name, man nennt mich auch das Gespenst. Alle haben Angst vor mir, keiner hat mich je gesehen.

Sunny:                     Wo kommen Sie denn her?

Silberlöffel:            Arnsberg

Sunny:                      Wie schaut es denn in den anderen Städten aus?

Silberlöffel:           Hagen zockt ganz gut, Breckerfeld, die machen es richtig: jeder, der die Landschaft zupflastert, bekommt einen Superbonus, Dortmund hat lange Zeit super getäuscht. In Wuppertal stockt es gerade etwas. Da gab es Proteste. Aber das wird schon.

Sunny                        Und was machen Sie heute hier?

Sparkommissar Silberlöffel

Silberlöffel:           Hier werden ganz, ganz wichtige Geschäfte gemacht, vieles schon im Angebot, wie mein verehrter Kollege Dr. Dr. Bräsig schon angemerkt hat, aber da ist noch Musik drin.

EIN TUSCH/Trompete Philipp

Sunny:           Und was für Musik da drin ist, wieviel Profit mit dem kommunalen Bankrott zu machen ist, das erzählt uns jetzt unser SENIOR PARTNER von TERRA INCOGNITA CAPITAL PARTNERS

PHILIPP MUSIK/ AUFTRITT GROSSINVESTOR GUNTER HANDSCHUH

Basta-Man:

Basta-Man stürmt während der folgenden Szenen drei Mal auf die Bühne mit „Basta“ Plakat. Wird von Security zwei Mal grob abgeführt. Beim dritten Mal wird er ebenfalls abgeführt und sein Sperrholzplakat mit großem Krach von der Security zerstört, zertreten und zerfetzt.

Volk, schwarzer Block:

Zwischendurch wird lautstarker Protest geäußert, der durch Sunny hysterisch und unter Einsatz des Mikrophons unterbunden wird. Es fliegen immer wieder Wasserbomben. Die Security schützt  Gunter, Bräsig, Sunny  mit schwarzen Regenschirmen.

Großinvestor und Chor:

Privatisation – Chor: Privatisation  yeah!

Corruption – Corruption  yeah!

Public Bankrupcy – yeah!

Let’s make money!– Let’s make money!

Let’s make profit!– Let’s make profit!

Let’s make money with public bankcruptcy!

Besitz ist kein Selbstzweck! – Besitz ist kein Selbstzweck! -

Alles muss raus! -  Alles muss raus!

Der Stadtvermakler: – yeah! yeah!

Super Return Alliance! – yeah!

I have four words for you: I – love  –  this  –  company

Sunny:                        Gunter, schön dich wiederzusehen, du kommst gerade aus – Jersey

Großinvestor:  So ähnlich,  ich lebe ja aus steuerlichen Gründen in Guernsey. Viele Grüße von Barbara, die wegen dieser idiotischen Steuerfahndung nicht hier sein kann. Ich war heute den ganzen Tag mit Herrn Bräsig und Frau Scheidemann hier in Witten unterwegs. Schöne Stadt, schöne Pleite, ja da ist viel Musik drin, wenn wir jetzt ganz schnell sind. Ganz großartig, was ihr von der Super Return Alliance zusammen mit dem Stadvermakler hier in so kurzer Zeit aus dem Nichts aufgebaut habt. Gestern wurde hier noch auf Schrottimmobilien rumgesessen, jetzt vergeht kein Tag, an dem nicht neue Sahneteilchen zu Schleuderpreisen feilgeboten werden. Respekt!

Sunny:           Nicht alle kennen dich, Gunter, so gut wie ich. Erklär uns doch, was macht deine Firma

Großinvestor:           Wir organisieren Private Equity Fonds. Also Geldsammelstellen, die kaufen alles auf … Unternehmen, Immobilien, Behörden … einfach alles, um ihren Wert zu steigern und dann mit Gewinn weiter zu verkaufen.  Euer Münte nannte das mal „Heuschrecken“. Er meinte das böse. Aber ich bin stolz drauf.  Beim letzten Wold Economic Forum  in Davos ging ich auf die Wiese: Da gab es dutzende von Heuschrecken-Arten. Wir haben viele verschiedene Heuschrecken-Firmen geschaffen: den Wohnungskonzern Pennyngton, die Farm- und Steakhauskette BSE,  die Autobahnrestaurants Punkt & Prasst, den Kriegsflugzeugvermieter Peace Pilot, den Musikkonzern IMEI, den Waldfond International Forests, den Biogaskonzern Stinkgas, die Kinokette O-DIO… Und es geht weiter, jetzt wohl mit diesen kommunalen Buyouts.
Da kehre ich mit eurer Hilfe praktisch zu meinen Wurzeln zurück. Als ich 1998 TICP gründete, war unser erstes großes Business, die Privatisierung von Wohnungen in England, dann kamen 180 000 Wohnungen in Deutschland. Der Bankrott der Städte hier spielt uns in die Hände.

Cheerleader:             Bankrott, Bankrott, Bankrott

Sunny:                        Und was lässt sich da in Witten ganz konkret machen?

Großinvestor:           Die Stadt legt ein tolles Tempo bei der Verschleuderung ihres Besitzes vor, auch wenn es mehr werden muss.  Heute haben wir mit dem Stadtvermakler die Eckpunkte unseres ersten großen gemeinsamen Projektes festgelegt, den Ruhrstraßenboulevard. Das ist ja eine ganze Perlenkette von Investmentchancen. Nicht nur diese kleine Villa mit lächerlichen 3000 qm Stadtpark. Da ist ja noch die Stadtbibliothek, die wir z.B. in Tennishallen umbauen können, da ist das überflüssige Museum, wo der Bildbesitz in diesem Augenblick versteigert wird, da ist das Grundstück Teppichland für super teure Loftwohnungen am Wasser, ich denke ein Privatstrand am Wasserwerk kommt dazu, dann der Kornmarkt, wo endlich mal ein richtiges Hochhaus hinsollte, das Rathaus, das wir gerne instand setzen und dann zu einem guten Preis zurückvermieten… Also der privatisierte Ruhrboulevard, das wird unser Leuchtturm hier in Witten. Aber wir brauchen schon noch den ganzen Stadtpark hier, wenn wir ins Geschäft kommen wollen. Daraus wird mit unserer Beteiligung IMEI ein kostenpflichtiger Beatles-Memory-Park. Natürlich mit Maueren drum rum. So wie es war, bevor dieser Park von der Familie Lohmann an die SPD überging. Hier holt sich das Kapital zurück, was ihm gehört. Folgen müssen der Hohenstein für unseren Hubschrauberlandeplatz, und Plastikland, überhaupt die ganzen Stadtforsten, was haben die bei der Stadt zu suchen? Natürlich werden wir auch noch die paar kommunalen Wohnungen hier in Witten vernaschen. Unser Call-Center in Bochum erledigt das im Handumdrehen. Also: Es gibt hier einige interessante Chancen. Bis wir einen Fonds dafür auflegen, muss aber erstmal das Volumen noch deutlich erhöht werden. Bräsig, da müssen sie sich noch was einfallen lassen.

Sunny:           Ach, da haben wir ja auch das Volk von Witten, hallo und Grüß Gott, wen haben wir denn da, eine einfache Frau aus dem Volk, kommen
kommen Sie hoch, kommen Sie näher. Ah, eine nette Mieterin aus einer ihrer tausend Wohnungen.

Sunny:           Ja, wie heißen Sie denn? Sie können doch bestimmt ein bisschen was von den innovativen Ideen von Herrn Gunter Handschuh erzählen! So aus Erfahrung!“

Elsa           Mein Name ist Elsa Klingeling. Ich weiß jetzt nicht, was Sie mit diesem „innovativ“ meinen. Aber ich hab da wohl mal eine Frage. Darf ich die mal stellen?“

Großinvestor:            Aber wir sind immer für Fragen von unseren Mietern offen!

Elsa:           Ja. Ich frag mich manchmal, wenn ich das so alles höre, mit ihren tollen Ideen, wo sie denn eigentlich das viele Geld hernehmen, das sie immer ausgeben. Weil ich hab ja mein Leben lang gearbeitet. Und ich frag mich, wie man denn mit seiner Hände Arbeit so viel verdienen kann?

Großinvestor:           Ich hab auch hart gearbeitet. Wir von der Finanzindustrie sind harte Arbeiter, wir sind ja alle eigentlich nur Dienstleister der Märkte. Das Geld stellen uns die private Pensionskassen, Versicherungen und vermögende Einzelpersonen ja nicht zu Verfügung, damit wir uns darauf ausruhen, sondern damit wir damit arbeiten. Mit diesem Geld kaufen wir Unternehmen, Immobilien, Städte, die schlecht gemanagt werden, bringen sie auf Vordermann, zerlegen sie in verwertbare Einzelteile, erhöhen ihren Wert…  Das ist innovativ, das ist dynamisch, das ist kreativ, das ist wertschöpfend!

Elsa:           Also das klingt jetzt wieder so schön, was sie da sagen. Aber ich will Ihnen mal was sagen! Gucken se mal: Meine Taschen, die sind leer. Und Ihre? Die sind ja so schwer, dass sie kaum noch ihre Hose richtig sitzen haben! Und jetzt, wo meine Taschen leer sind und da nix mehr drin ist, was man noch greifen kann, da gehen se jetzt und kaufen auch noch auf, was meine Eltern und Großeltern ehrlich erarbeitet haben. Wissen se. Ich kann ja vielleicht nicht so mit Wörtern um mich schmeißen, so wie Sie. So „innoviativ“ und „Dynamomäßig“ und wat sie da so sagen.

Zum Volk Könnt ihr auch nicht, oder?

Aber ich kann Ihnen was sagen: Mein Großvater, der hat hier die Trümmer vom Platz geholt! Und der hat das Haus hier aufgebaut. Und Steuern hat der bezahlt! Ja, da gucken se! Dat ist für Sie wie für mich, wenn Sie von innovativ reden. Böhmische Dörfer! Und von Arbeit kennen Sie wohl auch nix! Dat lassen se nämlich andere machen! Uns!

Zum Volk Dat kennt ihr doch auch, oder?

Und die Stadt, die verschleudert jetzt unsere Arbeit, damit Leute wie sie noch mehr in ihre Taschen kriegen! Wenn wir nämlich den Gürtel enger schnallen, dann legen Sie bei Ihrem Gürtel noch zwei Löcher zu.

Zum Volk: Hat von Euch noch jemand nen Gürtel, der enger werden kann?

Und ihr ganzes Gequatsche von Boulevard und so! Dat kenn ich auch! Früher, da bin ich mit meinen Kindern im Stadtbad schwimmen gegangen. Und nu? Dat ist weg! Und glauben denn Sie, dat ich mit meinen Kindern nach Heven in dieses Schwimmparadies gehen kann? Dat is doch sauteuer!

Zum Volk: Oder kann dat von Euch eine zahlen?

Und hinkommen tu ich da auch nicht. Ich hab nämlich keinen Rolls Royce – so wie Sie! Ich hab ein Fahrrad! Und schwimmen kann man da auch nicht!

Jetzt kommt die Bibliothek dran. Ja, da gucken se! Sie ham wahrscheinlich ein zu hause!

Und dann verkaufen se wohl die ganze Stadt! Ich bin ja froh, dat wir hier keine Stadtmauer mehr haben, sonst müssten die Menschen hier bald noch Eintritt zahlen, wenn sie in ihre eigene Stadt wollen! Wie früher, als es noch Könige gab und so!

Aber dat sach ich Ihnen! Wir lassen uns von Ihnen nicht mehr verarschen!

Wir lassen uns nicht mehr von Adlige vonne Börse regieren! Dat ist vorbei, dat wir hier alles mit uns machen lassen! Ihre Scheißwohnungen, die sind nicht innovativ! Die sind schimmelig. So wie ihre Ideen. Die sind auch nicht neu. Die heißen heute nur anders! Früher hieß dat Landsitz wat sie hier vorhaben. Da durften die einfachen Leute auch nicht in den Park! Und Privatisierung, dat ist doch nur anders für Diebstahl. Und wir lassen uns nicht weiter beklauen!

Zum Volk: Oder lassen wir uns weiter beklauen?

Schluss ist jetzt!

Wir wollen unsere Stadt behalten! Und wir wollen auch weiter in die Bücherei gehen und da Bücher leihen und nich in sonem Lesesaal sitzen, wo et ohnehin nur ein paar Bücher gibt! DA ist ja auch kein Platz! Da is ja auch alles voll mit so Paten für die Kunst! Dat ich nich lache! Mein Patenkind, dat is froh, wennet die Schulbücher bezahlen kann!

Und wir wollen auch nicht mehr, dass es heißt, wenn der Schimmel in ihre Wohnungen sitzt, weil sie da nix machen, dat wir nicht lüften können! Dat ist einfach nur frech!

Zum Volk: Oder findet ihr das nicht frech?

Sogar die Landesregierung hat ja jetzt gesagt, dass mal Schluss sein muss, mit dem Ausverkauf vonne Städte hier in NRW! Und da gibt es jetzt Geld! Sagen die!

ZumVolk: Habt ihr auch gehört, oder?

Und da müssen sie wohl woanders nach ihrem Disneyland gucken. Wir sind nämlich nicht Micky Maus und Donald Duck! Wir leben hier und Sie – sie hauen jetzt ab!

Zum Volk: Oder soll er hierbleiben?!

Zum Volk: Oder wehren wir uns nicht und gucken wie inne Glotze?!

Na, dann ma los! Bahnsteigkarten braucht hier keiner! Dat ist hier nämlich unser Haus und unser Platz und dat bleibt auch so! Weil wir uns wehren!

Abhaun solln se! Und ihren Boulevard, den nehmen se gleich mit! Den braucht hier kein Mensch!

Zum Volk: Braucht hier irgendwer nen Boulevard?!

NEIN!!!! UND STURM AUF DIE TREPPE!

Es kommt zu einem Tumult,  in dem Gunter der Großinvestor  und sein Clan vertrieben werden

Ordner mischen sich ein, Philipp macht wieder Musik, alle tanzen.

ENDE

Copyright: Beate Albrecht, Basta-Witten

Alle Ähnlichkeiten mit tatsächlich tätigen Personen, Firmen, Städten und Ereignissen sind rein zufällig.

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