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Es ist raus: Geplante Schwundbibliothek im Märkischen Museum

Ein simpler Vergleich zwischen den jetzigen Nutz-Flächen der Stadtbücherei an der  Ruhrstraße und den nach Planungsstand zur Verfügung stehenden Flächen für die Ersatzbibliothek im Anbau des Märkischen Museums belegt: Das Kulturforum plant eine Schwundbibliothek!

Ein faules Ei vom Ku(h)Fo

Miriam Schwalbe:

Endlich ist es raus! Der Chef des Kulturforums der Stadt Witten, des Eigenbetriebs Kultur, der weitegehend autonom und möglichst wohl noch gewinnbringend die Wittener Kultur verwalten soll, scheint erleichtert darüber zu sein, daß seines geheimes Strategiepapier nun endlich das Licht der Öffentlichkeit gefunden hat. Für einen Mann, der angetreten ist, um Gutes für die Wittener Kultur zu leisten, kann dieses Papier wirklich nur schlaflose Nächte bedeuten. Und so ging der verantwortungsbewußte Manager hin und lenkte den Blick der Wittener Presse noch einmal auf verschiedene Punkte in der Geheimakte, die bei ruhigem Nachdenken nur eine Ablehnung der Pläne möglich machen. Schauen sie selbst:

Vergleich Stadtbibliothek - Märkisches Museum

Links das Gebäude der Zentrale der Stadtbücherei, Ruhrstraße 48. Rechts das Märkische Museum, der Anbau um den es in den Plänen der Stadt geht ist rot markiert.

Kultur, das kann doch heute in einer demokratischen Gesellschaft nur als eine Veranstaltung für mündige Bürger, und solche, die es werden wollen, gedacht werden. Und so bemüht sich unser Leiter des Wittener Kulturforums, die mündigen Bürger auf den Unsinn zu stoßen, für den er zwar mit seinem Namen steht, der aber unmöglich allein auf seinem Mist gewachsen sein kann. Sollte nämlich der Wittener Chefmanger für Kultur aus freien Stücken und ohne den Zwang, den Interessen Dritter gehorchen zu müssen, ein derartig undurchdachtes und fachlich unqualifiziertes Papier auf den Weg bringen, dann wäre es besser, er wäre nicht der Chef in der Wittener Kulturverwaltung. Und so wollen wir mal von der für ihn günstigeren Interpretation seines Verhaltens ausgehen.

Als mündige Bürger warten wir bis heute noch immer vergeblich auf konkrete Informationen und Zahlen zu den Plänen. Pläne für die Weiterentwicklung der Wittener Bibliothekslandschaft scheint es tatsächlich gar nicht zu geben, allein der Beschluss, ein zentrales Gebäude der Wittener Kulturbetriebe zu verkaufen, scheint hinter verschlossen Türen und anscheinend auch in Absprache mit Kaufinteressenten, die sich keinem Ausschreibungsverfahren stellen müssen, bereits gefasst worden zu sein.

Dafür soll die Stadtbücherei dann in das Märkische Museum umziehen. Wir wiederholen uns, aber es gibt bis heute keine Auskunft von Seiten der Stadt Witten, wieviel Fläche im Gebäude Ruhrstraße 48 für die Bibliothek zur Verfügung steht. Im Märkischen Museum soll allein der vorhandene Anbau für die Bibliothek genutzt werden.

Waren sie schon einmal im der Stadtbücherei? Waren sie schon einmal im Märkischen Museum?

Erkennen sie auf den Luftbildern links die Stadtbücherei und rechts das Märkische Museum wieder?

Gut zu erkennen ist auf dem Luftbild der Stadtbücherei der große Lesesaal und die Empore, die zweite Ebene über dem Lesesaal. Im Kellergeschoss befindet sich heute, ursprünglich als Musikbibliothek geplant, noch ein Lesesaal. Desweiteren befindet sich in dem Kellergeschoß noch das Magazin der Stadtbücherei, das für uns Leser nicht zugänglich ist. Gebraucht wird es aber trotzdem. In dem mehrgeschossigen Trakt zur Ruhrstraße hin befindet sich die Kinderbibliothek und in dem oberen Stockwerk noch Büroräume der Bibliothek.

Und das Märkische Museum soll ja nach den Plänen unserer genialen Kulturmanager des Kulturforums und der Staatskanzlei des Herrn Rüttgers erhalten werden. Die geheimen Pläne sehen vor, nur den Anbau umzunutzen.

Mann, für wie dämlich halten die Entscheidenden im Rathaus denn die Wittener Bürger? Die Fotos sind im gleichen Maßstab. Auch wenn wir noch nicht wissen, wie groß die Flächen exakt in Quadratmetern sind, so kann doch jedes Kind durch Augenschein feststellen: Das passt nicht!

Offensichtlich glaubt man im Wittener Rathaus, dass die Wittener Bürger so dumm und geduldig wie eine Ku(h) sind und sich jeden Mist unterjubeln lassen. Das was da im Geheimen ausgebrütet worden ist, das ist tatsächlich zwangsläufig nicht nur der Plan für eine Schrumpfbibliothek, sondern für eine Schwundbibliothek.

Keine Geheimwissenschaft – Wir groß muß eine Bibliothek sein

Über die Größe der Stadtbibliothek macht die Stadt Witten keine öffentlich zugänglichen Angaben. Ein persönliches Nachmessen sollte jedoch brauchbare Zahlen bringen.

Für ein annehmbar entwickeltes Bibliothekssystem in unserer Stadt brauchen wir, nach anerkannten Standards, eine Öffentliche Bibliothek mit ca. 200.000 Medieneinheiten, also Büchern und ungefähr 20 Prozent des Bestandes an neuen Medien. An Platz braucht eine Bibliothek sinnvoller Weise 30 qm pro 1000 Medieneinheiten. Die Zentrale der Stadtbücherei in der Ruhrstraße 48 sollte also im günstigen Fall für ihre 138.000 Bände, 4.100 qm haben. Ob das zutrifft können wir bisher nur schätzen. Und für wie groß schätzen sie den Anbau im Märkischen Museum, der über zwei Etagen verfügt?

Sinnvollerweise baut man bei einem Bibliotheksneubau das Gebäude um den Nutzungszweck herum. Eine Bibliothek soll ja gut nutzbar und attraktiv sein, zentral liegen und gut erreichbar sein und das Stadtbild bereichern. Beim Gebäude Ruhrstraße 48, dem ehemaligen Sparkassengebäude, ist es besonders auch wegen dem Umbau und der Erweiterung in den 1980er Jahren gelungen, einen relativ gut nutzbaren Bibliotheksraum zu schaffen. In Zeiten knapper Kassen ist dies für Witten eine optimale Lösung. Wieviel Geld wurde hier bereits investiert und wie verhält sich die Größe dieser Investition zu den nun verschleppten Renovierungsmaßnahmen, die zum Teil dem Abriss des Wittener Stadtbades geschuldet sind? Ein verantwortungsvoller Umgang mit Geld sieht doch wohl anders aus, als ein hilfloser und undurchdachter Aktionismus!

Ein neuer, besserer Standort der Zentrale der Wittener Stadtbibliothek müsste über mindestens 6.000 qm verfügen! Dass dies im Augenblick nicht realisierbar ist, ist einsehbar. Deshalb ist die sparsamste Lösung, die Stadtbücherei in der Ruhrstraße 48 zu belassen, ausreichend Geld in gut qualifiziertes Personal und den Ausbau des Medienbestandes zu stecken um das Bibliothekssystem, das wir heute haben, optimal zu nutzen.

Wenn sie mit ihrem Auto liegen bleiben, weil der Benzintank leer ist, können sie natürlich auch davon träumen, ihr Auto könnte fliegen oder würde Milch geben können, sie können auch hingehen und ihr Auto verkaufen, weil es ja nicht mehr fährt, vernünftig wäre es jedoch, zu tanken und dann vorsichtig weiterzufahren.

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